Das Unternehmen Orgelbau Siegfried Merten ist spezialisiert auf den Neubau und die Restauration von Orgeln (Orgelrestauration) - ein Handwerksbetrieb im Orgelbau mit Tradition und dem Feingefühl für die Orgelmusik. Das Kunsthandwerk im Orgelbau (insbesondere Pfeifenorgelbau) geht in der Geschichte weit zurück. Daher gibt es viele Pfeifenorgeln, die über die Jahre ihre Qualität teilweise verloren haben. Für die Restaurierung alter historischer Orgeln ist mehr als nur das Handwerk des Orgelbauers notwendig. Die teilweise nicht mehr verfügbaren Materialien werden für eine denkmalgerechte Rekonstruktion mit neuen Elementen liebevoll ersetzt, damit der Klang der Orgel wieder in ursprünglicher Fülle sein Ziel erreichen kann:
die Herzen der Zuhörer zu beschwingen.
Bei Restaurierungen im Orgelbau besteht die Aufgabe oft darin, die historische Substanz zu erhalten und so schonend wie möglich zu behandeln. Dafür müssen vom Orgelbau Merten sämtliche Orgelteile wie Windladen, Trakturen und Windanlage zunächst demontiert werden. In der geräumigen neuen Werkstatt werden diese Teile gereinigt und überholt. Verschleißteile, wie etwa die Belederungen an den Spielventielen und dem Magazinbalg, werden erneuert und nach historischem Vorbild rekonstruiert. Dabei wird z.B. unter anderem, wie beim Bau der Originalorgel, ein Knochenleim verwendet.
Durch den sächsischen Orgelbauer Friedrich Ladegast erhielt die die Ev. Kirche Frömern 1878 eine neue Orgel. Der in Hochhermsdorf 1818 geborene Friedrich Ladegast lernte zunächst bei seinem Bruder Chriestlieb und arbeitete dann in bekannten Werkstätten in Borna, Leipzig und Dessau. Dabei wurde er vor allem mit den sächsischen Barockorgeln von G. Silbermann vertraut. Später setzte er seine Studien in Frankreich fort und lernte in den Werkstätten des Silbermann-Nachfolgers Wetzel.
Der Bau der Orgel im Merseburger Dom 1855, die damals größte Orgel Deutschlands, wird von Fachleuten als der Beginn des hochromantischen Orgelbaus in Deutschland angesehen. Ladegast baute bis zur Übergabe der Werkstatt 1898 an seinen Sohn über 200 Orgeln.
Bei der von uns durchgeführten Restaurierung der Orgel in Frömern lag ein Schwerpunkt unserer Arbeit in der Beseitigung eines die gesamte Orgel befallenden Schimmelbefalls. Dieser Befall betraf sämtliche Holz- bzw. Lederteile.
Die von durchgeführten Arbeiten lassen sich anhand unseres in Stichpunkten zusammengefassten Angebots dokomentieren:
1. Die Bestandsaufnahme (Mensuren, Aufschnitthöhen usw.) ist nach Aussage von Herrn Lange vorhanden. Diese Angaben sollten bei der Reinigung überprüft und gegebenenfalls ergänzt werden.
2. Anstelle des Kreiselgebläses von Faust 1912 soll ein Langsamläufer (Fa. Aug. Laukhuff) eingebaut werden. Ferner soll ein passender Motorschutzkasten gefertigt und montiert werden. Die elektrischen Anschlüsse erfolgen bauseits. (das Gebläse muß mit demontiertem Ansaugschacht geliefert werden Türmaß zur Balgkammer!)
3. Die Beseitigung der Schimmelablagerungen in Verbindung mit einer Reinigung des kompletten Orgelwerks ist nach meiner Auffassung ein Schwerpunkt der bevorstehenden Renovierung. Folgende Arbeiten müssen durchgeführt werden:
a) Ausbau des gesamten Pfeifenwerks, der Spiel- und Registertrakturen, Pfeifenstöcke samt Raster und Bänkchen, der Schleifen und Ladenventile.
b) Reinigen der ausgebauten Orgelteile durch entstauben und abreiben des verhärteten Staub- und Schimmelbelags mit einem feuchten Tuch.
c) Das in der Orgel verbleibende Holzwerk (Windladen, Lagerwerk, Stützen, Gehäuse) soll wie oben beschrieben gesäubert und gereinigt werden.
d) Als Präventionsbehandlung würde ich das Abreiben der gesamten Holzteile mit Firnisöl empfehlen.
4. Nach dem Wiedereinbau der Trakturen werden diese neu reguliert. Unter anderem müssen die Bleischienen im Spieltisch gegen ein Verschieben gesichert werden.
5. Nach dem Öffnen und Reinigen der Windladen müssen diese auf Risse bzw. Schwundungen kontrolliert und wo erforderlich ausgespant werden.
6. Die gesamte Windanlage muß nach der Reinigung einer grundlegenden Überprüfung unterzogen werden. Die relativ große Windstößigkeit des 2. Manuals beruht meiner Meinung nach mehr auf einem zu geringen Tastengang und dem damit verbundenen geringen Ventilhub. Die nachträglich eingebauten Stoßbälge haben hier nicht die gewünschte Verbesserung erzielen können. Ob diese nicht originalen Teile wieder entfernt werden können, soll in Absprache mit den Sachverständigen erfolgen.
Auf Anregung der Sachverständigen soll eine Übersetzung für das Rollventil Drossel eingebaut werden.
Ich bin der Überzeugung. dass bei der von mir wie oben beschriebenen Überprüfung der Windanlage weitere Erkenntnisse zu Tage treten. Ich könnte mir durchaus vorstellen, das Pedalwerk durch die Aktivierung von Kastenbalg 1 durch den Einbau einer zusätzlichen Drossel mit Wind zu versorgen. (Von Kastenbalg 1 führt ein separater Kanal direkt zum Pedal).
7. Die Ledergarnierungen an den Metallwinkeln sollen generell erneuert werden.
8. Eine neue Verkabelung der elektrischen Betätigungs- und Kontrollelemente kann bauseits nach der Demontage der Orgel erfolgen.
9. Sämtliche Spundverschlüsse und Spundriegel werden auf Funktionalität und Dichtigkeit überprüft.
10. Wenn die Orgel weitestgehend ausgebaut ist, sollte die Putzschicht an der Westwand bauseits ausgebessert werden.
11. Generell werden alle Lederdichtungen an den Hüten der Metallpfeifen erneuert und neu eingepaßt.
12. Die Lederdichtungen an den gerissenen Holzpfeifen lösen sich ab. Diese werden entfernt und die Risse mit einer Säge in der Art aufgeschnitten, dass durch einleimen passender Holzstreifen (Funierstreifen) die Öffnungen geschlossen werden können.
13. Das Ausbessern des Farbanstrichs im Schwellwerksgehäuse kann ebenfalls in Absprache mit unserem Arbeitsablauf erfolgen.
14. Die großen Pfeifen der Flöte 4‘ im Schwellwerk sollen durch den Einbau eines Rasters, das jederzeit reversibel ist und nach denkmalpflegerischen Grundsätzen erstellt wird, stabilisiert werden.
15. Das gesamte Orgelgehäuse wird nach der Reinigung kontrolliert, die Füllungen gerichtet, die losen Wirbel befestigt und alles auf festen Sitz hin eingebaut.
Vor dem Wiedereinbau der gereinigten Klaviaturen wird der ganze Spieltischbereich gesäubert und aufgefrischt. Hierbei werden selbstverständlich die Beschriftungen auf der Staffelei entfernt.
Laut Aussage von Herrn Lange wurde zwischenzeitlich die Turmkammer in Eigenleistung gesäubert und das Holzwerk auf Anobienbefall mit negativem Befund hin untersucht.
Wird ein positiver Befund von Anobienbefall festgestellt, wird dieser von uns behandelt und die Wurmlöcher verschlossen.
18. Neben der neuen Verkabelung der elektrischen Betätigungs- und Kontrollelemente sollen einige Kaltlicht-Quellen im Orgelgehäuse montiert werden. Dies erfolgt in Absprach mit unseren Arbeiten.
19. Momentan wird eine Kammer der drei Kastenbälge mit Motorwind versorgt, die den Winddruck regelt. Die beiden anderen Kammer sollen überholt, auf Anobienbefall hin untersucht und gegebenenfalls (wie unter 17.) behandelt werden. Anschließend sollen diese als mechanische Möglichkeit der Winderzeugung reguliert werden.
20. Nach der Reinigung bzw. Überholung des gesamten Pfeifenwerks, der Spiel- und Registertrakturen, Windladen und Windversorgung soll zunächst ein Funktiontest sämtlicher Schaltimpulse erfolgen. Danach werden die Pfeifen registerweise wieder eingebaut und auf der Grundlage der klanglichen Substanz ausgeglichen und intoniert. Abschließend erfolgt eine Generalstimmung. Vor Arbeitsbeginn soll die Stimmung wie auch die Stimmtonhöhe mit den Orgelsachverständigen geprüft und dokumentiert werden.
21. Der Auftraggeber wird mit Hilfe der Beratung durch den Orgelsachverständigen die Abnahme durchführen.
|