Orgelneubau: Merten-Orgel
Jesus-Christus-Kirche in Alfter-Witterschlick

Wichtigstes Ziel seitens der Planung und Konzeption für diese Orgel war, dass ein zweimanualiges Werk mit Pedal entstehen sollte, ohne das Erscheinungsbild in der Kirche zu dominant erscheinen zu lassen. Grundsätzlich widersprechen sich diese beiden Thesen und es bedurfte einiges an planerischem Aufwand beide Vorgaben zu erfüllen.
Aus rein technischer Sicht betrachtet handelt es sich bei diesem Instrument um eine Windlade für zwei Manuale. Das heißt, dass bis auf den Prinzipal 8` alle übrigen Register entweder im I. oder II. Manual gespielt werden können. Über die Stellung der Registerschieber am Spieltisch lassen sich die Zuordnungen vorbestimmen. Hierdurch ergeben sich, ohne das die Anzahl der Pfeifen erhöht werden musste, die verschiedensten Kombinationsmöglichkeiten.

Bezüglich der Spieltrakturen, also der mechanischen Verbindung von den Tasten zu den einzelnen Ventilen, ist jedoch kein Unterschied gegenüber einer "normalen" zweimanualigen Orgel. Wir standen jedoch vor der Herausforderung dies auf engstem Raum zu verwirklichen, ohne das die Servicefreundlichkeit darunter zu leiden hat. Ein Blick ins Innere der Orgel macht diese Problemstellung deutlich.

Bei der Gestaltung des Orgelprospekts im Zusammenspiel mit dem technischen inneren Aufbau kam es darauf an, die Fassade möglichst klein und schlank zu halten. Durch die sechs zum Teil asymmetrischen Türme mit steil abfallenden Dachverläufen und ansteigenden Pfeifenfußlängen entstand eine schmale und schlanke Prospektfront.

Entscheidender Parameter zur Vorbestimmung des zu erzielenden Klangergebnis ist neben der Bauform und Mensur eines Registers die Materialauswahl. Um die unterschiedlichen Klangcharakteren zu verstärken, wurden die Legierungsbestandteile stark differenziert.

So wurden die Prinzipalstimmen des Hauptwerks aus 70% igem (Innenpfeifen) bis 87% (Prospektpfeifen) Zinnanteil gefertigt. Die Rohrflöte 4' dagegen in nur 5% Zinn und 95% Blei. Ferner wurden sämtliche Körper der Metallpfeifen mit einer Ziehklinge nach oben hin ausgedünnt. Diese Herstellungsmethode, die einer französischen Tradition folgt und von so bedeutenden Orgelbauern wie Aristide Cavaille`- Coll und Gottfried Silbermann angewandt wurde, erhöht die Resonanzeigenschaften und Tragfähigkeit. Ab einer Pfeifenlänge von 2 2/3' wurden die Pfeifen auf Ton geschnitten.

Die Disposition lautet wie folgt:

I. Manual

II. Manual

Pedal

Prinzipal 8‘ Subbass 16‘
Salicional 8‘ *Salicional 8‘ (Gedackt 8‘)
Gedackt 8‘ *Gedackt 8‘
Octave 4‘ *Octave 4‘
Rohrflöte 4‘ *Rohrflöte 4‘
Doublette 2‘ *Doublette 2‘
Terz 1 3/5‘ *Terz 1 3/5‘
Larigot 1 1/3 *Larigot 1 1/3‘
Tremulant

Tonumfang: Manual C – g‘‘‘ · Pedal C – f‘‘

Koppeln: II – I · I – Pedal · II – Pedal · Sup. Pedal

Die Register mit einem * werden aus dem I. Manual entliehen und als Wechselschleife gebaut.

Um eine gewisse Eigenständigkeit im Pedal zu erhalten, wurde der

Subbaß 16‘ mit einer Superoktavkoppel gebauet. Beim Hinzuziehen dieser Koppel erklingt automatisch eine Oktave höher im Pedal als ein Gedackt 8‘ mit.

© 2004-2008 Orgelbau Merten · Impressum · Server & Design · Sonntag, 8. Juni 2008 13:53 Uhr