St. Kastor Miesenheim Einbau der "Keates-Orgel" in St. Kastor-Miesenheim

Das Instrument stand ursprünglich in St. Silas, Broomhill, Sheffield.

Keates war bei John Stringer & Co. in Hanley ausgebildet worden. Später arbeitete er als Headvoicer (Chefintonateur) bei Brindley & Foster (Sheffield). 1885 machte er sich zusammen mit Edwin Lowe selbstständig, der aber 1889 aus dem Unternehmen ausschied. Zwischen 1889 und 1939 umfasst Keates Werkliste etwa 90 lokale und überregionale Orgelneubauten und Generalrestaurierungen, einige bis nach Nordirland (Belfast). Die Firma existierte noch bis 1948, war allerdings einige Jahre nach 1938, von Harris Organs of Birmingham übernommen worden.

Keates' Orgelwerke sind anfangs durch den deutschen Einfluss in der Tradition Johann Friedrich Schulzes geprägt, was sich vor allem bei der Bauweise und Intonation der Prinzipale und Mixturen zeigt. Dies ist auf Karl Schulze zurückzuführen, der bei Friedrich Schulze gelernt hatte und den Keates bei der Firma Brindley und Foster abwerben konnte. Zwischen den beiden Schulzes bestand allerdings keine Verwandtschaft. (aus Wikipedia Albert Keates)

Ursprünglich war die Keates'sche Orgel - ehemals für St Silas, Broomhill, jetzt in Miesenheim - als kompakte Orgel gebaut und seitlich vom Altar aufgestellt worden. Entsprechend verfügte sie über einen zum Altar gerichteten Hauptprospekt mit überlangen sprechenden Pfeifen und neogotischem Schleierwerk sowie über einen nicht sprechenden Seitenprospekt in Freipfeifenbauweise, der die Schwellklappen verdeckte. Die ursprüngliche Disposition umfasste 33 sprechende Register in vier Werken mit 3 Manualen und Pedal.

Das besondere klangliche Merkmal ist die Verwendung mehrerer Pfeifenbauweisen in den Grundtonlagen nebeneinander sowie ein weitgehender Verzicht auf Aliquoten, also kleinfüßige Register und Mixturen. Ein besonderes Qualitätsmerkmal ist die große Mischfähigkeit aller Register, vor allem der Zungenregister, wodurch die Orgel die typische hochromantische Klangfärbung ihrer Zeit erhält. Die Windladen der Manualwerke wurden als Schleifladen, die Laden des Pedalwerks als pneumatische Kegelladen gebaut. Der Spieltisch war ins Orgelgehäuse eingebaut. Die Trakturen wirkten teils mechanisch, teils pneumatisch. Sowohl für ihre handwerkliche Verarbeitung als auch für die verwendeten Materialien genießen die Orgeln von Albert Keates bis heute einen hervorragenden Ruf.

Sowohl wegen ihrer Tiefe als auch aus Kostengründen (Verlegung eines Heizschachtes) konnte die Orgel in St. Kastor nicht wie in England seitlich vom Altar aufgestellt werden. Eine kompakte Aufstellung auf der Empore war ebenfalls nicht möglich, da aufgrund einer Verordnung der Denkmalschutz des Bistums Trier die Turmrosette sichtbar bleiben sollte. So blieb nur eine geteilte Aufstellung auf der Empore. Bei der Anpassung der Orgel wurde die Disposition (s.u.) auf 28 Register in Haupt- und Schwellwerk reduziert die Register des ehemaligen Choir-Werkes wurden z.T. auf die anderen beiden Werke umverteilt.

Als Besonderheit verfügt das Schwellwerk nun über zwei getrennte, separate Manuale (Labiale II. Man., Zungen III. Man.). Dadurch konnte die Klaviatur aus der historischen Substanz erhalten, und als Solo-Manual nutzbar gemacht werden. Zusätzlich zur kleinen, terzhaltigen 3-fachen Mixtur im Schwellwerk erhielt die Orgel auch eine im historischen Material noch nicht enthaltene 4-fache Mixtur im Hauptwerk, die auch die Aufführung barocker Orgelliteratur ermöglicht.

Aufgrund der geteilten Aufstellung der Manualwerke wurde ein neuer frei stehender Spieltisch mittig vor der Emporenbrüstung platziert. Die Trakturen wurden auf elektrisch bzw. elektro-pneumatisch umgestellt und mit einer Druckpunktsimulation versehen, die ein authentisches Spielgefühl ermöglicht, das einer rein mechanischen Traktur entspricht. Durch den Einbau einer elektronischen Setzeranlage lassen sich Registrierungen für mehrere Tausend Möglichkeiten abspeichern. Ebenfalls erlaubt die moderne Digitaltechnik, alle gängigen Manual-, Pedal- Sub- und Superoktavkoppeln zu realisieren.

Auf den ersten Blick ungewohnt erscheint die Prospektgestaltung. Der ehemalige Hauptprospekt wurde als Hauptwerksprospekt beibehalten. Der ehemalige Seitenprospekt wurde als Freipfeifenprospekt vor dem neuen Schwellwerk aufgestellt und an dessen Breite angepasst. Grundsätzlich galt es, möglichst viel der historischen Substanz in ihrem originalen Zustand zu erhalten. Daher wurde sowohl auf eine Verschleierung des Freipfeifenprospektes vor dem Schwellwerk als auch auf eine Kopie des Hauptprospekts auf dieser Seite verzichtet.. Sonst hätte dies den im Sinne des Denkmalschutzes unerwünschten Verlust des historischen Freipfeifenprospekts bedeutet sowie zu deutlich erhöhten Kosten geführt.

Wie Regionalkantor Bernd Kämpf, der Orgelsachverständige des Bistums Trier, bei seiner Begutachtung der Orgel anlässlich der Abnahme durch die Kirchengemeinde bestätigte, blieb bei allen notwendigen Veränderungen die materielle und klangliche Qualität der Orgel voll erhalten.

Disposition:

I. Manual Great Lab. II. Manual Swell
Bourdon 16' Lieblich Bourdon 16'
Large Open Diapason 8' Open Diapason 8'
Small Open Diapason 8' Viola da Gamba 8'
Hohl Flute 8' Lieblich Gedackt 8'
Principal 4' Voix Celestes 8'
Harmonic Flute 4' Principal 4'
Twelfth 2 2/3' Rohr Flute 4'
Fifteenth 2' Piccolo 2'
Mixtur 4 ranks Mixtur 3 ranks
Trumpet Harmonic 8'  
III. Manual Swell Ling. Pedal
Contra Fagotto 16' Acoustic Bass 32'
Clarinet 8' Open Diapason 16'
Oboe 8' Bourdon 16
Clarion 4' Octave 8'
  Bass Flute 8'
  Echo Bourdon 16'

Tastenumfang der Manuale C – c'''' Pedalumfang C – f'

Neben den Normalkoppeln wurden Sub- und Sup- Oktavkoppeln werksintern bzw. II – I; III – I und III – II gefertigt.

Die Montage einer neuen Gebläsemaschine als Langsamläufer mit 28 cbm / min Windleistung erfolgte in einem neuen Schallschutzkasten.

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