Die Neugestaltung der Orgel in der Liebfrauenkirche Koblenz

Im September 2002 wurden wir gebeten, ein Angebot über eine Generalreinigung und diverse Änderungen an der Orgel der Liebfrauenkirche zu erstellen. Wir erreichten eine größere Klangpräsenz nur durch Veränderungen des Orgelgehäuses.

Nach mehreren Besuchen in Koblenz und Gesprächen mit Herrn Regionalkantor Manfred Faig kristallisierte sich immer mehr heraus, dass die Orgel über den vorgelegten Maßnahmenkatalog hinaus verändert werden müsste. Es stand außer Frage, dass das Ziel einer deutlich größeren Klangpräsenz nur durch Veränderungen des Orgelgehäuses zu erreichen war.

Hier ein Auszug aus dem Angebot vom Januar 2003:

"Um der Orgel in ihren Einzelstimmen mehr Charakter wie auch dem Gesamtklang mehr Volumen zu verleihen, müssen aus meiner Sicht zunächst die räumlichen Gegebenheiten im Orgelgehäuse besser genutzt werden. Da eine Veränderung der Gehäusemaße aus architektonischen Gründen ausgeschlossen ist, bleibt nur der Weg über eine Neuaufteilung der Werke. Erst wenn den Pfeifen der erforderliche Freiraum zur Tonerzeugung gegeben wird sowie der benötigte Wind auf möglichst direktem Weg an die Pfeifen gelangen kann, erst dann macht eine Dispositionsänderung wie auch eine Neuintonation Sinn."

In Stichworten ergaben sich folgende Änderungen:

  • Aufteilung des Hauptwerks wie auch des Pedalwerks in C und Cs Seite in den beiden äußeren Türmen
  • Verlegen des Prinzipalbass 16' ins Orgelinnere und ebenfalls in C und Cs Seite verteilen
  • Raumgewinn durch den Verzicht auf einige Register, die durch geänderte Nutzung von 4 Registern über Wechselschleifen kompensiert wird
  • Absenken der Schwellwerkslade zur Raumgewinnung im Gehäuse
  • Einbau neuer Register mit Pfeifenmensuren die dem Kirchenraum Rechnung tragen
  • Erweiterung des Klangspektrums durch Einbau zusätzlicher Oktavkoppeln für die Manualwerke wie auch das Pedal
  • Neugestaltung der gesamten Windversorgung
  • Anhebung des Winddrucks in den Werken
  • Neuintonation des gesamten Pfeifenwerks

Disposition der Orgel nach der Umgestaltung:

Pedal C – f'' Hauptwerk C – g'''
Prinzipalbaß 16' Prinzipal 8'
Subbaß 16' Harmonieflöte 8'
Quinte 10 2/3' Gedackt 8' (aus SW) *
Octavbaß 8' Octave 4' (zum Teil aus Choralb.)*
Hintersatz 4 fach Rohrflöte 4'
Posaune 16' Quinte 2 2/3'
  Superoctave 2'
  Terz 1 3/5' neu
  Mixtur 4 fach (aus groß u. klein M.)
  Bombarde 16' neu *
  Trompete 8' neu *
Schwellwerk C – g''' Rückpositiv C – g'''
Flöte 8' neu Bourdon 8'
Gemshorn 8' Praestant 4'
Schwebung 8' Blockflöte 4'
Prinzipal 4' Flachflöte 2
Flöte 4' Quinte 1 1/3'
Nasard 2 2/3' Sesquialter 2 fach
Octave 2' Zimbel 3 fach
Terz 1 3/5' Krummhorn 8'
Sifflöte 1'  
Scharf 4 fach Tremulant
Trompete 8' (aus HW)  
Hautbois 8' neu  
Tromp. harm 4'  
   
Tremulant  

Die mit * markierten Register sind auch im Pedal spielbar.

Koppeln:

III 16', III 4', III 16'-II, III 4'-II, III – II, III – I, II 16', II 4', I – II, I 16' – II, I 4' – II, Ped 4', I – Ped, II – Ped, III – Ped, Ped – II

davon mechanisch I – Ped, II – Ped, III – Ped, übrigen Koppeln elektrisch

Setzerfunktionen:

  • 32 Speicherebenen 1 – 32
  • 8 Gruppen A – H
  • 9 Kombinationen 1 – 9
  • 2 Schlüsselschalter für 2 zusätzliche Blöcke
  • 8 Codezahlen für 8 zusätzliche Blöcke = zusammen 55.296 Kombinationen

Durch den Einbau von Tonmagneten für die Koppeln kann über eine breite Palette von zusätzlichen Octavkoppeln das Klangspektrum erweitert werden. Diese Koppeln wurden z. B. auch innerhalb eines Werks eingebaut. So wurden das Haupt- und Schwellwerk mit Sub- und Superkoppeln versehen.

Das neue Pedalwerk wurde ebenfalls mit einer Superkoppel ausgestattet, die auch tonmäßig ausgebaut wurde. Diese Koppel bietet viele zusätzliche Möglichkeiten ohne große Klangeinbußen.

Ferner wird über eine Midi Schnittstelle das Orgelspielen über ein Keyboard aus dem Altarraum ermöglicht. Auch gibt es einen Tastenhalter und einen Memory- Stick.

Am Sonntag den 30. September 2007 wurde die Orgel von Liebfrauen in einem Festgottesdienst wieder eingeweiht. Herr Manfred Faig stellte die Orgel in einem Konzert am Nachmittag in ihrer gesamten Klangfülle der Gemeinde vor.

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