Neugestaltung der Orgel der Evangelischen Kirche Trier-Ehrang

 

Wir freuen uns, als eines unserer Projekte 2020 die Orgel der Evangelischen Kirche in Trier-Ehrang neu gestalten zu dürfen. Das bisherige Instrument, erbaut 1966 von Willi Peter im zeittypischen Stil mit Seilzugtrakturen und steiler Neobarock-Disposition, zeigte in den vergangenen Jahren zunehmend Schwächen. Nach intensiven Überlegungen, unterstützt durch die Arbeit des amtierenden Kirchenmusikers Prof. Dr. Heiko Hansjosten und der Orgelberatung der Landeskirche, vor allem durch Elmar Sauer, kam die Auftraggeberin zu der Entscheidung, eine grundlegende Reorganisation und Neukonzeption vornehmen zu lassen. Ziel ist die Schaffung einer nachhaltigen Lösung unter Verwendung bestehenden Materials (vor allem Pfeifenwerk) der Peter-Orgel sowie aus aufgegebenen Instrumenten der Spätromantik.
Die Gegebenheiten erlauben dabei eine sehr reichhaltige klangliche Gestaltung des Instruments, die angesichts der bescheidenen Größe des Kirchenraums stark kammermusikalisch und in Richtung Farbigkeit ausgerichtet sein wird.

Stilistisch orientiert sich die Disposition des geplanten Instruments an der so genannten Elsässer Reformbewegung im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts, die unter anderem von Albert Schweitzer vertreten wurde. Letzterer trat in seinen Dispositionsprinzipien für eine Verschmelzung der französisch-symphonischen Stilistik mit der deutsch-romantischen Stilistik bis etwa 1860 ein. Die architektonische Gestaltung der neukonzipierten Orgel orientiert sich konsequent an den Gegebenheiten des Kirchenraums. Die beiden kleinen, aber charakteristischen Fenster der Nordwand sollen nicht wie bisher durch das Orgelgehäuse verdeckt werden. Die hochformatigen Rechteckfenster der Seitenwände in ruhiger Reihung mit Mauerwerk hingegen dienten als Vorbild für eine turmartige Gestaltung der drei Teilgehäuse. Die Zierbänder der Gurtgesimse greifen Gestaltungsdetails des Altarkreuzes auf und schaffen so eine Verbindung zum Zentralpunkt des gottesdienstlichen Geschehens. Weiterhin wurden Vorbilder von Orgelprospekten aus der Bauzeit der Kirche herangezogen, die in einer moderat-modernen Interpretation eine adäquate Integration des Instruments in die Kirchenarchitektur gewährleisten.

Disposition

Die Disposition der neuen Merten-Orgel in der Evangelischen Kirche Trier-Ehrang

I. Hauptwerk
C-g'''
II. Positiv
C-g'''
III. Schwellwerk
C-g'''
Pedalwerk
C-f''
Bordun 16‘ Principal 8‘ Geigenprincipal 8‘ Untersatz 32‘
Principal 8‘ Lieblich Gedackt 8‘ Bordunalflöte 8‘ Principalbass 16‘
Flaut major 8‘ Salicional 8‘ Aeoline 8‘ Subbass 16‘
Hohlflöte 8‘ Unda maris 8‘ Vox coelestis 8‘ Stillgedackt 16‘
Viola di Gamba 8‘ Gemshorn 4‘ Fugara 4‘ Octavbass 8‘
Praestant 4‘ Waldflöte 4‘ Traversflöte 4‘ Gedacktbass 8‘
Quintadena 4‘ Quintflöte 2 2/3‘ Doublette 2‘ Posaune 16‘
Octav 2‘ Flageolet 2‘ Progressio harmonica 2-4-fach  
Mixtur 4-fach Carillon 2-fach Horntrompete 8‘  
Trompete 8‘ Clarinette 8‘ Oboe 8‘  
  Tremulant Vox humana 8‘  
    Tremulant  

Die Fertigstellung ist für das Jahresende 2020 geplant. Ausführliche Informationen, auch zur Ehranger Orgelgeschichte, finden Sie demnächst auf der Website der Kirchengemeinde.

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