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Die Neugestaltung der Orgel in der Ev. Kirche Solingen-Dorp

Ein sicheres Indiz, wie lang über eine endgültige Konzepterstellung bis hin zur Realisierung und Vollendung einer Orgel gerungen und diskutiert wird, kann ich an meiner Bearbeitungsmappe im Büro erkennen.

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Restaurationsprojekte

Die Orgel in der katholischen Pfarrkirche St. Johannes Apostel Dernau

Das Gehäuse der Orgel wird auf die Zeit um 1770 datiert und stammt von einem Orgelwerk, welches von dem aus Dernau stammenden Orgelbauer Johann Odenthal errichtet wurde. Die heutige Orgel wurde 1934 vom Bonner Orgelbauer Johannes Klais als Neubau in dem Barockgehäuse errichtet.

Die Orgel spiegelt den damaligen Trend im Orgelbau wieder, charakteristische spätromantische Klänge mit wiederentdeckten Klängen des Barocks zu verbinden. Auch das System der elektropneumatischen Kegellade ist typisch für diese Zeit.

Aber die Entwicklung ist natürlich nicht stehen geblieben und so gab es aus heutiger Sicht einige Schwächen, die im Zuge der Reinigung und Überholung der Orgel behoben wurden.

Bedingt durch die wirtschaftlichen und rüstungspolitischen Umstände im nationalsozialistischen Deutschland mussten insbesondere die Prospektpfeifen aus minderwertigem Zink gebaut werden. Diese wurden jetzt aus 75% Zinn komplett erneuert. Auch die verhalten klingende Spitzflöte 8' (HW) wurde durch eine neue Gamba 8' ersetzt, welche sich durch ihren obertönigen und streichenden Klang auszeichnet. Die bestehende Mixtur 3- bis 4-fach (HW) auf 1/3'-Basis wurde auf 2'-Basis umgestellt und mit neuen Pfeifen auf eine durchgehend 4-fache Mixtur erweitert, wodurch auf einen Prinzipal 2' verzichtet werden kann. Im Schwellwerk wurde das eher schwache Flageolett 2' durch eine Doublette 2' ausgetauscht.

Die Pfeifen der erhalten gebliebenen Register wurden in der Werkstatt gereinigt, überarbeitet und vorintoniert. In der Zwischenzeit unterzogen wir das nun leer geräumte Instrument einer gründlichen Reinigung. Der leistungsschwache Motor wurde durch einen neuen, größeren Motor ersetzt.

Die Isolierung der elektrischen Leitungen mit Stoffummantelung entsprach nicht mehr den heutigen Standards. Nachdem schon im Jahr 2009 die Kabel vom Spieltisch bis in die Orgel ausgetauscht wurden, sind nun auch die Leitungen in der Orgel fachgerecht erneuert. Zusätzlich wurden die alten Sicherungen durch neue Thermosicherungen ersetzt und die Tonmagneten mit Funkenlöschern (Varistoren) versehen. Der Schwellertritt und die Crescendowalze wurden mit neuem Trittgummi belegt, eine neue Notenpultleuchte in LED-Technik installiert. Ein Zimbelstern mit sechs bronzenen Glocken, welche die Form von Kirchenglocken haben, wurde incl. eines in die Prospektfassade integrierten Drehsterns eingebaut.

Bei der Intonation der Pfeifen vor Ort wurde insgesamt ein kräftiger und tragfähigerer Klang umgesetzt. Hauptsächlich wurden dafür die Pedalregister präsenter und fülliger angelegt, um nun ein gutes Fundament für den Gesamtklang zu bilden. Die Basslage der Manuale wird durch den kräftigen Prinzipal 8' und die Offenflöte 8' angelegt. Einen schönen Kontrast dazu bildet die neue Doublette 2', die sowohl den Prinzipal als auch den Flötenchor vervollständigen kann. Des Weiteren füllen die nachintonierten 4'-Lagen den Zwischenraum abwechslungsreich auf. Dadurch hinterlässt die Orgel einen fülligen und runden Gesamteindruck.

Die Disposition

Hauptwerk I. Manual C-g3

Principal 8' Neue Pfeifen im Prospekt C-a1
Gedacktpommer 8'  
Gamba 8' Komplett neu anstelle der Spitzflöte 8'
Praestant 4'  
Rohrflöte 4'  
Nasard 2 2/3'  
Mixtur 4f Umstellung auf 2'-Basis, Erweiterung mit neuen Pfeifen unter Verwendung des bestehenden Pfeifenwerks

Schwellwerk II. Manual C-g4

Offenflöte 8'  
Salicional 8'  
Schwebung 8'  
Singendprincipal 4'  
Doublette 2' Komplett neu anstelle des Flageolett 2'
Progressio 2-4f  
Horntrompete 8'  

Pedal C-f1

  • Subbass 16'
  • Gedacktbass 8'
  • Bassflöte 4'
  • Bombarde 16'
  • Zimbelstern

Die neue Orgel in der ev. Christus-Kirche Kerpen-Sindorf

In der Ausschreibung der Arbeiten stand ursprünglich geschrieben: Orgelrenovierung, Reinigung mit Nachintonation, Intonationskorrektur und Erweiterung.

Nach meinem ersten Besuch in Sindorf kam ich dann zu folgendem Fazit: Fasst man alle zur Beseitigung der Schwachstellen sowie der gewünschten Erweiterung erforderlichen Arbeiten zusammen, komme ich zu der Überzeugung, dass es ergebnisorientierter und wirtschaftlicher wäre, die Orgel zu einem Großteil technisch zu erneuern.

Auf dieser Basis habe ich dann folgende Grundüberlegungen entwickelt:

  • Neue Zwillingslade für das I. und II. Manual mit eingebautem Schwimmerbalg.
  • Verbreiterung des Gehäuses um ca. 70 - 80cm auf der linken Seite.
  • Gehäusetiefe um ca. 50cm erweitern.
  • Spieltisch vor dem Gehäuse (alternativ auch mit ca. 2m Abstand zum Gehäuse).
  • Neues Orgelgebläse samt Magazinbalg.
  • Neue Spieltrakturen für alle Werke inkl. Koppelaufbau.

Die Disposition

Pedal C – f'

  • 1. Subbass 16'
  • 2. Flötenbass 8'

I. – II. Manual C – g''' Wechselschleifen

3. Prinzipal 8' nur I. Manual
4. Rohrflöte 8'  
5. Salicional 8'  
6. Gedeckt 8'  
7. Oktave 4'  
8. Flöte 4'  
9. Oktave 2'  
10. Spillflöte 2'  
11. Quinte 2 2/3'  
12. Terz 1 3/5'  
13. Mixtur 3-4 f. nur I. Manual
14. Oboe 8'  
15. Tremulant wirkt auf beide Manuale

Koppeln:

II – I; I – Ped.; II – Ped.; Sub. II – I

Die wesentlichen Vorteile, die für dieses Konzept sprachen:

  • Anstelle aufwendiger Instandsetzungen inkl. der benötigten Ergänzungen erhält man eine einheitliche Gesamtanlage für die Windladen.
  • Optimierte Aufstellung der vorhandenen und der neuen Register (z. B. neuer Prinzipal 8' im Prospekt).
  • Neue Trakturverbindungen zwischen Spieltisch und Windladen über Winkelbalken und Wellenbretter.
  • Unabhängige Winddruckregulierung durch eingebauten Schwimmerbalg in der Manualwindlade.

Auf dieser Grundlage wurde somit die jetzige Orgel konzipiert und gebaut.

Aus rein technischer Sicht betrachtet, handelt es sich bei diesem Instrument um eine Windlade für zwei Manuale. Das heißt, dass alle Register bis auf Prinzipal 8' und die Mixtur entweder im I. oder II. Manual gespielt werden können. Über die Stellung der Registerzüge am Spieltisch lassen sich die Zuordnungen vorbestimmen. Hierdurch ergeben sich, ohne dass die Anzahl der Register erhöht werden musste, die verschiedensten Kombinationsmöglichkeiten.

Bezüglich der Spieltrakturen, also der mechanischen Verbindung von den Tasten zu den einzelnen Ventilen, besteht jedoch kein Unterschied zu einer "normalen" zweimanualigen Orgel.